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Bilder aus dem Netz. Was ist erlaubt?

28.02.2014  

Eine Präsentation, eine Internetseite, eine Werbepostkarte – Bilder sind im Netz schnell gefunden und ebenso schnell kopiert. Doch was ist erlaubt? Welche Bilder darf ich verwenden, was muss ich beachten, wo finde ich die besten Bilder? In diesem Beitrag fasse ich kurz die wichtigsten Fakten zum Thema Urheberrecht zusammen und erkläre, warum gemeinfreie Bilder die beste Wahl sind. Wo finde ich kostenlose Bilder?

Drei wichtige Grundlagen* zum Thema Urheberrecht

1.) Das Urheberrecht gilt „automatisch“. Der Hinweis auf den urheberrechtlichen Schutz z.B. mit dem Copyright-Zeichen ist also nicht die Voraussetzung dafür, dass ein Bild urheberrechtlich geschützt ist. Ganz im Gegenteil: Möchte ein Urheber die Verwendung eines Bildes erlauben, muss das explizit genannt werden.

2.) Die Frage nach der Schöpfungshöhe ist für Fotografien unerheblich. Die Schöpfungshöhe eines Werkes beschreibt dessen Individualität oder Orginalität. So genießt z.B. ein einfaches Logo oder eine Icon/Clipart in vielen Fällen keinen Urheberschutz, hier können aber ggf. Markenrechte relevant sein. Eine Fotografie ist dagegen immer urheberrechtlich geschützt. Es ist also egal, was auf dem Foto zu sehen ist und ob das Foto „künstlerisch wertvoll“ ist.

3.) Das „Zitieren“ von Bildern ist nicht möglich. Anders als bei Texten ist bei Bildern das Zitieren nicht erlaubt. Wer ein Bild aus dem Netz übernimmt, und die Quelle angibt, verletzt trotzdem das Urheberrecht.

Bei Bildern sind die urheberrechtlichen Rahmenbedingungen also relativ eng. Die Geldbeträge, um die es bei entsprechenden Abmahnungen oder Streitigkeiten geht, können empfindlich werden. Ich stelle Ihnen drei Möglichkeiten vor, Bilder aus dem Netz zu verwenden.

*Die Rechtslage in Sachen Urheberrecht ist mehr als kompliziert. Ich bechreibe im Folgenden meine eigene Strategie im Umgang mit Bildern aus dem Netz. Die Hinweise sind nicht als rechtliche Beratung zu verstehen.

Bilder aus Stockphotos-Datenbanken

Es gibt eine Reihe von Agenturen, die sogenannten Stockphotos anbieten. Die entsprechenden Datenbanken sind in der Regel sehr gut strukturiert, so dass schnell die entsprechenden Bilder gefunden werden. Für diese Bilder müssen Sie in der Regel bezahlen, und können das Bild dann in vielen Fällen verwenden, ohne eine Quelle oder den Urheber nennen zu müssen. Dabei gibt es Bilder die „lizenzfrei“ oder „royalty free“ sind. Das bedeutet, dass die Bilder nach einer einmaligen Gebühr zeitlich unbegrenzt kommerziell verwendet werden dürfen. Diese Bilder sind also nicht kostenlos zu haben. Bei lizenzpflichtigen Bildern bezahlen Sie nur für eine entsprechende Nutzungsart, die z.B. von der Art der Verwendung (Buch, Internet, Werbung) und der Auflage abhängt.

Das Problem: Die einzelnen Lizenzen und Verträge sind sehr unterschiedlich. Sie müssen die Regelungen im Einzelfall genau prüfen, eine nicht erlaubte Verwendung kann teuer werden. So ist bei den manchen Lizenzen z.B. der Weiterverkauf des Bildes als Postkarte etc. nicht erlaubt, oder die Verwendung ist auf den redaktionellen Bereich eingeschränkt. Auch die Angabe des Urhebers ist unterschiedlich geregelt. Anfang 2014 sorgte z.B. ein Fotograf von pixelio.de für Aufsehen, weil er einen Prozess gegen einen Nutzer gewonnen hatte, der den Hinweis auf den Urheber unter dem Bild und nicht im Bild angebracht hatte.

Wo finde ich Stockphotos?

  • Es gibt mittlerweile zahlreiche Anbieter (z.B. gettyimages, istockphoto oder Fotalia) die sich im Bezug auf die Auswahl der Bilder und die Preisoptionen erheblich unterscheiden.
  • Beim Anbieter dreamstime.com gibt es eine Auswahl an Bilder, die kostenlos verwendet werden dürfen (allerdings unter Angabe der Quelle).
  • Die Bilder auf pixelio.de dürfen kostenlos verwendet werden, allerdings dürfen manche Bilder nur im redaktionellen Bereich eingesetzt werden (also z.B. nicht auf einer Werbepostkarte) und neben dem Urheber muss auch pixelio.de als Quelle genannt werden.
  • Beim Anbieter Photocase.com können die Bilder entweder gekauft, oder mit Punkten bezahlt werden, die durch das Hochladen eigener Bilder verdient werden können.

Bilder unter einer offenen Lizenz

Letztlich legt jeder Urheber selbst fest, unter welchen Bedingungen die eigenen Bilder weiterverwendet werden dürfen. Mittlerweile stehen dafür unterschiedliche offenen Lizenzen zur Verfügung, aus denen ein Urheber wählen kann. Die Organisation creativecommons.org hat unterschiedliche Lizenzmodelle entwickelt, die im wesentlichen auf drei Entscheidungen beruhen: Darf das Werk verändert werden? Muss das Werk unter den gleichen Bedingungen weitergegeben werden? Darf das Werk kommerziell verwendet werden? Bei diesen Lizenzen muss immer der Name des Urhebers genannt werden, am besten direkt beim Bild. Mit Bilder, die unter einer offenen Lizenz stehen, sind Sie auf der sicheren Seite, zumindest wenn Sie sich genau an die jeweilige Lizenz halten, also z.B. den Namen des Urhebers nennen oder das Bild nicht kommerziell nutzen.

Wo finde ich Bilder unter offener Lizenz?

  • In der erweiterten Bildersuche von Google können Sie nach den Nutzungsrechten filtern, und z.B. nur nach Bildern suchen, die frei zu nutzen, zu verändern und weiterzugeben sind.
  • Unter commons.wikimedia.org finden Sie das Bilderportal von Wikpedia. Die Bilder dort sind in Kategorien einsortiert und stehen alle unter einer offenen Lizenz.
  • Das Bilderportal Flickr bietet mit Flickr Commons die Möglichkeit, die Bildarchive von öffentlichen Institutionen zu durchsuchen. Außerdem können Sie hier über die erweiterte Suchfunktion das komplette Bilderarchiv durchsuchen.

Gemeinfreie Bilder

Noch einen Schritt weiter als offene Lizenzen gehen gemeinfreie Bilder. Das sind Bilder, deren Urheberrechtsschutz abgelaufen ist, Bilder, deren Urheber explizit auf das Urheberrecht verzichten oder Bilder, die urheberrechtlich nicht geschützt werden können. Als Laie können Sie z.B. bei alten Fotografien, Landkarten, technischen oder wissenschaftlichen Abbildungen in der Regel nicht abschätzen, ob die Bilder gemeinfrei sind oder nicht. Deshalb sollten Sie nur dann davon ausgehen, dass Sie ein Bild ohne Einschränkungen nutzen können, wenn das explizit genannt ist. Bei den gemeinfreien Bildern handelt es sich also um eine „Spezialform“ der offenen Lizenz.

Wo finde ich gemeinfrei Bilder?

  • Sowohl bei Wikimedia Commons als auch bei Flickr finden Sie gemeinfreie Bilder.
  • Die Webseite pixabay.com hat sich auf gemeinfreie Bilder spezialisiert und finanziert sich durch Werbung. Deshalb sind die obersten Suchergebnisse jeweils Bilder der Bilderagentur shutterstock.
  • Unter openclipart.org finden Sie zahlreiche gemeinfreie Cliparts.

Fazit

Für mich der klare Favorit sind gemeinfreie Bilder. Nach meiner Wahrnehmung steigt die Menge der verfügbaren gemeinfreien Bilder ständig an, mittlerweile verwende ich fast ausschließlich gemeinfreie Bilder. Die Verwendung von Bildern unter anderen offenen Lizenzen ist ähnlich einfach, sofern der Urheber korrekt genannt ist. Hier ist aber zu beachten, das sich in vielen Fällen die kommerzielle von der nicht-kommerziellen Nutzung nicht ganz klar trennen lässt. Auch die Veränderung von Bilder ist ggf. nicht erlaubt, zum Verändern zählt auch das Ausschneiden eines Bildes, vor allem wenn dadurch die Bildaussage verändert wird. Bei Bildern aus Stockphoto-Datenbanken gilt: Hier müssen Sie die einzelnen Lizenzregelungen im Details lesen, genau befolgen und berücksichtigen, wofür Sie die Bilder verwenden. Und: Am Einfachsten ist es, wenn Sie selbst zeichen und fotografieren, oder einen Fotograf bzw. eine Fotografin fragen, ob Sie ein Bilder nutzen dürfen.

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Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.


1 Response

  1. […] Mein Fazit: Entweder bezahlen oder Finger weg von Getty Images. Alternativen für kostenlose Bilder finden sich hier. […]

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