Seifenblase oder Kristallkugel? Wie wird sich digitale Bildung in den nächsten Jahren entwickeln?

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Der Schrei nach Digitaler Bildung (4.0) | Echo

21.01.2017  

Anja C. Wagner schreibt auf FlowCampus.com Interessantes zum Thema Digitaler Bildung. Ich verfolge die Aktivitäten rund um ununi.tv und FlowCampus schon lange mit großem Interesse und einer gewissen Faszination für die Hartnäckigkeit der Akteure. Der Einladung zur Diskussion folge ich gerne – auch als Auftakt zum Leuchtfeuer 4.0 MOOC – und möchte drei Aspekte ergänzen.

1.) Forschungsergebnisse können Gestaltungsvorschläge für Bildung 4.0 liefern.

Einfach mal machen. Das ist eine Garantie für Innovation. Davon bin ich überzeugt. Und die Aktivitäten rund um die Community of Practice zu Bildung 4.0 zeigt, wie’s geht.

Das ist tatsächlich gelebtes lebenslanges Lernen in einer zeitgemässen Infrastruktur. Kein Gelaber, keine Muse, sondern lernende Praxis, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen

Die andere Seite der Medaille: Es gibt mittlerweile seit über 25 Jahren Forschung zum Thema Lernen mit Digitalen Medien. Wir wissen schon ziemlich viel darüber, wie Lernen funktioniert, was Menschen motiviert, und welchen Beitrag digitale Medien dazu leisten können. Das Problem: Viele dieser Ergebnisse kommen nicht oder nicht richtig in der Praxis an. Deshalb melde ich mich als Mitglied einer sechste Gruppe zur Wort – die Gruppe der Forscherinnen und Forscher. Als Wissenschaftler heißt unsere Währung Publikationen. Deshalb vergessen wir manchmal, dass gute Forschung nichts bringt, wenn keiner sie kennt. Das sollten wir ändern. Ein Ansatz ist das Forschungsprojekt LearnMap, dass im März in Tübingen startet. Da haben wir uns unter anderem das Ziel gesetzt, ein Modell zu entwickeln, das Erfolgsfaktoren digitaler Lehr-/Lernszenarien aus einer psychologisch/didaktischen Perspektive zusammenstellt und für die Praxis verfügbar macht.

2.) Die Hochschulen sind ein wesentlicher Player für Bildung 4.0.

Alte und neue Strukturen gegeneinander auszuspielen führt uns nicht weiter.

Denn, bittschön, wie soll ein starres, top-down-gelenktes Bildungssystem mit allen Regularien auf dynamische Entwicklungen reagieren können? Mit all den erforderlichen Akkreditierungen, Zertifizierungen, Qualitätsmangement-Anforderungen usw. usf. Das funktioniert heute einfach vorne und hinten nicht mehr.

Im Bezug auf das System Hochschule nehme ich eher das Gegenteil wahr: Jede Hochschule, jeder Fachbereich, jeder Hochschullehrer agiert mehr oder weniger eigenständig. Die Föderalismusreform hat das noch verstärkt. Wie schön wäre es, wenn jemand anordnen könnte, dass mindestens 80% der verwendeten Lehrmaterialen unter OER veröffentlicht sein müssen. Oder mindestens eine Prüfung pro Semester einen echten Praxisbezug haben soll. Oder die Teilnahme an einem MOOC als Prüfungsleistung anerkannt werden muss. Aus einer politischen Sicht wären solche Forderungen vielleicht mittlerweile durchsetzbar. Ich habe in den letzten Jahren viele Best-Practice Beispiele entdeckt, die zeigen, wie es gehen könnte. Die Freiheit von Forschung und Lehre gibt einzelnen Hochschullehrenden enorme Freiheiten. Ich bin überzeugt, dass es da noch einiges an kreativem Potential innerhalb des Systems zu holen gibt.

3.) Im Blick auf  Bildung 4.0 müssen wir die richtige Flughöhe finden.

Ich tanze auf zwei Hochzeiten. Eine davon ist mein eigenes Unternehmen. Hier bin ich gerade dabei, ein Führungskräfte-Entwicklungsprogramm unter dem Namen Leadership 4.0 zu verkaufen. Die Idee dahinter ist, Führungskräfte fit für die Digitalisierung zu machen. Und wenn ich Digitalisierung sage, dann meine ich Digitalisierung. Es geht nicht um ein bisschen Technik hier und da, sondern um eine radikale Veränderung im Bezug auf Zusammenarbeit und Kooperation in Unternehmen.

Insofern lasst uns als Zivilgesellschaft weiter am Ball bleiben: Die Welt ist vielfältig und bunt – und aktuell besteht die Chance, etwas auch zum Besseren, zum Neuen, zum Nachhaltigen verändern zu können. Macht also gerne mit!

Die Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens möchte nicht experimentieren. Sie möchte von mir konkrete Antworten. Und eine bezahlbare (Beratungs- oder Trainings-) Leistung, die einen echten Mehrwert bietet. Mit halbgaren Lösungen muss ich gar nicht anfangen. Meine größte Herausforderung ist gerade, die richtig Flughöhe zu finden – also einerseits kreative, neue, gewagte Lösungen auszuprobieren, die anderseits kompatibel mit der Wirklichkeit in Unternehmen sind und anschlussfähig an bestehende Erwartungen, Erfahrungen und Vorstellungen. Ich bin noch dabei, die richtige Flughöhe zu finden, zwischen kreativem Radikalismus und langweiligem Realismus.

 

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Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.



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