Allgemein

Konnektivismus ist eine Haltung

26 Feb , 2013  

Wann ist ein MOOC ein MOOC?

Diese Frage wurde im #mmc13 ausführlich diskutiert und ist heute nachmittag auf Twitter nochmal aufgeflammt. Leider musste ich irgendwann aussteigen, weil ich unterwegs und in Terminen nicht mehr online sein konnte. Spannend für mich: Letztlich geht es hier um Werte oder Haltungen (@jowede verwendet den Begriff „Deutungshoheit“), über die sich nur schwer diskutieren lässt.

Am deutlichsten wird das an der Haltung, die Dörte Giebel, einer der Gastgeberinnen des MOOC-Maker-Course howtomooc.org auf Rückfrage formuliert hat (ich habe hier drei Tweets zu einem Satz zusammengefasst):
Was ich meine: Es gibt für mich 2 unverhandelbare Basisbestandteile, die for free sein müssen, um von MOOC zu sprechen  1. der Zugang zu den Kursmaterialien und 2. der Zugang zur Lern Community (sei es nun Forum, Teilnehmerliste mit Kontaktdaten, Aggregator/Feed). Alles andere ist verhandelbar (z.B. Gebühr für Prüfung).
Mir wurde in der Diskussion klar, dass es wichtig ist die eigenen Werte explizit zu machen. Denn: Aus meiner Sicht ist Konnektivimus (als theoretische Grundlage für MOOCs) keine Theorie, letztlich auch kein Modell oder didaktisches Konzept, sondern eine Haltung. Ich versuche deshalb meine Haltungen mit drei Statements zu beschreiben. Daraus ergibt sich für mich jeweils, wann ein MOOC ein MOOC ist.
1. Reibung erzeugt Wärme.
Lernen bedeutet: Ich vernetze neue Erfahrungen mit vorhandenem Wissen. Dazu braucht es: Einen Konflikt. Ich muss die Komfort-Zone verlassen. Neues muss sich mit Altem reiben, ich spüre Widerstände, deren Überwindung mich weiterbringt. Das ist nur möglich in einem sozialen Umfeld, ich brauche andere, um diese Vernetzung anzuregen: Vernetzung führt zu Vernetzung. Die Chance auf Reibung, die mich weiterbringt steigt mit der Masse. Deshalb geht es ab 150 Teilnehmenden richtig los. Die 150 Leute gehören gerade noch zu meiner Sippe (die berühmte Dunbar-Zahl), mit denen vertrage ich mich sowie so. Die wissen ohnehin alle das Gleiche. Ab 150 beginnt der Zufall zu wirken. Ein MOOC ist ein MOOC, wenn ich Zufälle, die Reibung erzeugen, in meinem didaktischen Konzept herausfordere.
2. Bildung schafft Sinn. 
Lernen, sich selbst weiterbilden, weiterentwickeln, lebenslange Bildung macht das Leben sinnvoll. Dazu braucht es: Eine lebendige und vielfältige Bildungslandschaft, mit einer großen Bandbreite an Institutionen und Initiativen. Daraus ergibt sich notwendigerweise die Frage nach dem Wert von Bildung. Die Antwort heißt: Bildung kann nicht kostenlos sein. Das ist sie nicht an Hochschulen, die die Gesellschaft teuer bezahlt (weswegen ein von einer Hochschule angebotener MOOC auch kostenlos sein kann oder muss.), dass kann sie nicht an einer Volkshochschule sein, auch nicht bei einem privaten Bildungsanbieter. Ein MOOC ist ein MOOC, wenn ich Bildung als wertvolles Gut und Menschenrecht betrachte. 
3. Wertschätzung ermöglicht Entwicklung. 
Lernen, setzt voraus, andere Meinungen, andere Sichtweisen, Wahrheiten und Haltungen als Bereicherung zu erleben. Dazu braucht es: Raum für Entfaltung, Probieren und Erleben. Damit ändert sich die Rolle von Lehrenden, die keine WissensvermittlerInnen mehr sind, sondern Vorbilder, die vormachen, wie dieser Raum genutzt und belebt werden kann. Ein MOOC ist ein MOOC, wenn ich Offenheit und Wertschätzung einfordere. 
Fazit: Das Jahr 2013 wird das Jahr der MOOCs. Aber das hatte ich ja schonmal gesagt.

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2 Responses

  1. Andreas Link sagt:

    Johannes, bezüglich der nachmittäglichen Twitter-Diskussion würde ich zuallererst weniger auf den Begriff ‚Konnektivismus‘ rekurrieren, sondern eher auf das „open“ respektive auf „open education“.

    Open education will unter anderem Zugangsbarrieren einreissen.
    Am Beispiel „ich.kurs“ wäre nun die Frage, welche Zugangsstufe zur „education“ nun unbedingt notwendig wäre.

    Neben Zugriff auf die Lerninhalte wäre für mich der Zugang zu einer Community heute unerlässlich. Du beschreibst die ich.kurs-Zugangsstufe Free mit: „Letzlich handelt es sich beim ich.kurs 13 also um einen kostenlosen xMOOC […].“ Sämtliche xMOOC-Anbieter bieten Communities an.

    Wertschätzung können dann wiederum die TN zeigen, wenn sie dezente Werbung akzeptieren. Als eine der ersten Institutionen setzt übrigens auch uncollege.org Werbung ein: http://alison.com/articles/A-MOOC-with-a-Working-Business-Model-UnCollege.org

    Wohlgemerkt: Mir geht es nicht um die kostenpflichtigen Mitgliedschaften generell. Diese sind bei dem Angebot wirklich reell bepreist. Mir geht es um O Nr. 1: „open (education)“!
    (Nein, ich will jetzt nicht diskutieren, ob viele xMOOCs echte MOOCs sind 🙂

    Servus
    Andreas

  2. Hallo Herr Moskaliuk,

    ihren Beitrag finde ich treffend und er spricht mir aus dem Herzen. Vor allem vertrete ich nicht die Meinung von Dörte Giebel, dass ein MOOC nur ein MOOC ist wenn er kostenlos ist. Ich vertrete sehr wohl die Meinung dass die Lehrunterlagen kostenlos sein sollten. Den zwei MOOC’s die wir Ende März und Mitte April starten werden, sind alle Impulsbeiträge „OER“. Es lässt sich aber nicht vermeiden, dass auch Beiträge dabei sind die nicht OER sein werden. Dise ist der Tatsache geschuldet, dass in der Kürze der Zeit sich nicht alle Beiträge unter OER Bedingungen herstellen lassen. Dieser Aspekt wächst aber zum einen durch die Teilnehmer und zum anderen durch die kontinuierliche Arbeit der Veranstalter. Wir werden in unseren MOOC’s für den Zugang zur Lernplattform einen geringen Beitrag verlangen, denn die Kosten für die Infrastruktur lassen sich nicht wegdiskutieren und zum anderen kann ich somit auch gewissen urheberrechtlichen Problemen besser begegnen, da die Beiträge die nicht OER sind in einem quasi geschlossenen Umfeld zur Verfügung gestellt werden. Weiter werden wir Mitte März einen Lehrgang anbieten in dem jeder die benötigten Fähigkeiten erlangen kann selbst eBooks herzustellen (epub3 Format). Somit kann dann die Verbreitung der entsprechenden OER Beiträge forciert werden. Dieser Lehrgang basiert auf Open Source Anwendungen.

    Werner Povoden

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