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Diskussionsrunde zum Start des #mmc13 – MOOC Maker MOOC

17.01.2013  

Morgen bin ich zu Gast bei der virtuellen Auftakt-Veranstaltung „Expert/innen on Air“ des MMC13 (MOOC Maker MOOC), den Dörte Giebel, Monika E. König und Heinz Wittenbrink vom 16.1.-22.2.2013 veranstalten. Mit dabei sind Holger Hank – Leiter E-Learning und digitale Angebote Deutsche Welle, Jonas Liepmann  – Gründer und Geschäftsführer der Lernplattform iversity und Dr. Martin Linder – Forscher und Berater für E-Learning 2.0.

Themen für die Diskussionrunde sind

  • Den Hype verstehen: Geschichte und Trends
  • Kein X für ein C vormachen! Oder: Worin unterscheiden sich Open Courses?
  • Gib mir ein C: Was ist ein MOOC wirklich? Course? Conference? Community? Clique? Chaos?
  • Nachgefragt bei MOOC-Gastgeber/innen: Was gibts zu tun?

Eines vorneweg: Ich bin ein Fan von MOOCs. Und ich werden im Jahr 2013 an mindestens zwei MOOCs zu ganz unterschiedlichen Themen als Veranstalter beteiligt sind. Ich könnte mich jetzt zur These hinreißen lassen, dass MOOCs die Welt ein bisschen besser machen (zumindest die Welt der Lehr-/Lernangebote), stattdessen stelle ich zwei Fragen, die ich gerne Diskussionsrunde einbringen möchte:

  1. Worauf kommt es bei der didaktischen Gestaltung von Lehr-/Lernsettings an? Die Frage „Wann ist ein MOOC ein MOOC?“ hat sowohl aus einer wissenschaftlichen, als auch einer praktischen Perspektive keine Relevanz. Die zentrale Frage lautet: „Was braucht es, damit Lernen erfolgreich ist?“. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Antwort: „MOOCS!“ ist falsch. Genau so falsch wie die Antwort: „Web 2.0“, oder „Lehrbücher!“, oder „Auswendiglernen!“ oder „Connectivismus!“. Mein Antwort wäre: Lernen ist geschieht an den Schnittstellen von Denken und Handeln, Kognition und Kommunikation, Gehirn und Gesellschaft. Das soll bedeuten: Didaktik muss auf die Gestaltung genau dieser Schnittstellen fokussieren, und MOOCs sind eine mögliche Methode.
  2. Welches Menschenbild machen wir uns zu eigen? Ein guter Schüler hört aufmerksam zu, glaubt was der Lehrer sagt, macht seine Hausaufgaben und schreibt gute Noten. Ein guter MOOC-Teilnehmer liest alle Blogbeiträgt und Tweets, vernetzt sich mit anderen, bloggt selbst eifrig, teilt seine Ideen und strotzt nur so vor Kollaboration und Interaktion – und hat natürlich kein Problem damit, seinen eigenen Lernprozess in aller Öffentlichkeit zur Schau zu stellen. Selbstgesteuertes Lernen in offenen Lehr-/Lernsettings ist keine Selbstverständlichkeit, sondern muss trainiert und gefördert werden, und vor allem Raum für unterschiedliches Lern- und Arbeitsverhalten lassen. Es lohnt sich zu diskutieren, welches Menschenbild wir der didaktischen Gestaltung von Lehr-/Lernsettings zugrunde legen. Eines könnte sein: Der Mensch ist von Natur aus neugierig. Diese Neugierde muss ermöglicht und gefördert werden. Aber auch: Der Mensch ist von Natur aus autonom. Diese Autonomie muss gewahrt bleiben.

Ich freue mich sehr auf die Diskussion morgen, und bin gespannt auf Rückmeldungen!

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Johannes Moskaliuk arbeitet als Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Wissensmedien und als Hochschullehrer an der International School of Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist digitales Lernen und Arbeiten. Außerdem ist er Geschäftsführer der ich.raum GmbH und arbeitet als Business-Coach mit einem Schwerpunkt auf wertorientierter Führung und Kommunikation.



5 Responses

  1. Vielleicht auch: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er lernt vor allem im Umgang mit seinen Mitmenschen.

  2. „Ein guter MOOC-Teilnehmer liest alle Blogbeiträgt und Tweets, vernetzt sich mit anderen, bloggt selbst eifrig, teilt seine Ideen und strotzt nur so vor Kollaboration und Interaktion – und hat natürlich kein Problem damit, seinen eigenen Lernprozess in aller Öffentlichkeit zur Schau zu stellen.“ – wow, das ist eine Vorgabe!

    Alle Beiträge lesen – das ist mir beim Openess in education MOOC passiert, das waren es nämlich weniger gleich drei Beiträge pro Tag … dann wurde ich zum Dropout.

    Ich schöpfe im MOOC gerne aus dem Vollen, dazu brauche ich viel mehr Inhalte, als ich lesen kann – das stärkt meine Autonomie und macht mich neugierig 🙂

    • Johannes Moskaliuk sagt:

      ja, die Anforderungen an einen MOOC-Teilnehmenden habe ich mit ironischen Unterton formuliert 😉

  3. Marika Fedtke sagt:

    Ich denke ein guter Schüler sollte nicht alles glauben was der Lehrer sagt, sondern sich auch eine eigene Meinung bilden und auch kritisch mit an ihn herangetragene Informationen umgehen können.

    Ein guter MOOC Teilnehmer sollte auch entscheiden können, welche Lernprozesse er öffentlich machen möchte, denn er muss auch wissen, dass Informationen, wenn sie einmal im Netz sind, dort auch lange Zeit aufzufinden sein werden. Er sollte deshalb auch in diesem Sinne medienkompetent sein.
    Die Autonomie des Einzelnen zu wahren und nicht durch den Zwang alle Lernprozesse namentlich öffentlich machen zu müssen, letztendlich zu untergraben, ist für mich ein ganz wesentlicher Aspekt. Ich denke deshalb, wenn MOOCs im formalen Lernen angeboten werden, dann sollte dies bei der Gestaltung des Lernsettings unbedingt mitbeachtet werden.

  4. Live Online Training Blog der LearnGalaxy, http://www.learngalaxy.de, zum Thema „MOOC & CO – Globale Dimensionen in der Bildung im asynchronen Elearning und im Live-Online-Training“: http://wp.me/p2POXS-lG

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