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Open Course Workplace Learning 2011 | Konzept und Idee

11 Jun , 2012  

Unter dem Untertitel Offene Bildung zwischen Universität und Praxis-Community habe ich im letzten Semester den ersten Blended Open Course in Deutschland durchgeführt. Das Blended Open Course Konzept öffnet einen geschlossenen Kurs an der Hochschule nach außen und bindet interessierte Teilnehmende ein, eine Kombination eines MOOC mit einem klassischem Seminar also. Jenseits von Referaten und strukturieren Gruppenaufgaben entsteht so eine offene Lern-Community. Selbstgesteuertes Lernen an der Schnittstelle zwischen Lehre, Forschung und Praxis wird möglich.

Ziel ist war es, ein innovatives Lehr-/Lernkonzept auszuprobieren, und dessen Konzept im Anschluss auszuwerten und weiterzuentwickeln. Dazu –wie könnte es anders sein– arbeite ich zur Zeit an unterschiedlichen Publikationen die das Konzept des Kurses, Möglichkeiten zur Auswertung und sowie die didaktische Weiterentwicklung diskutieren. Außerdem habe ich mir vorgenommen, auch hier im Blog und auf ocwl11.wissensdialoge.de die Auswertungen der Blogparade und unseres Brainwritings zu veröffentlichen. Als erstes deshalb heute ein Blogbeitrag, der das Konzept des Kurses zusammenfasst.

Ausgangsituation

Lernen an der Hochschule hat oft wenig Anknüpfungspunkte zur Wirklichkeit in Unternehmen und Organisationen. Trotz langem Studium fehlt vielen Studierenden deshalb die Fähigkeit, erworbenes Wissen aktiv zur Lösung von Praxisproblemen zu nutzen und gestaltend einzusetzen. Ein Ursache dafür ist, dass das geschlossene System Hochschule, insbesondere der Lehrbetrieb, wenig durchlässig für Fragen und Anforderungen von außen ist, und gleichzeitig Lernprozesse und Lehrinhalte nicht transparent macht.
Lösungsvorschlag
Jenseits systemischer Lösungen ist ein Lösungsvorschlag, gezielt einzelne Lehrveranstaltungen, in denen der Bezug zur Praxis von besonderer Relevanz ist, nach außen zu öffnen und so eine Integration von Forschung und Praxis, Universität und Unternehmen, Lernen und Arbeiten zu ermöglichen. Dazu wird ein Konzept für einen Blended Open Course vorgeschlagen und als Pilotprojekt an der Universität Tübingen umgesetzt.

Idee – Blended Open Course

Ein Blended OpenCourse ist ein Lehrveranstaltungsformat, das die Grenzen eines Seminars auflöst und über das Web nach außen öffnet. Der Kurs besteht aus Offline-Phasen, in denen eingeschriebenen Studierende theoretische Grundlagen aufbereiten und diskutieren. In den öffentlichen Online-Phasen wird die Diskussion im Web fortgesetzt und in einer Online-Session in einem virtuellen Klassenraum mit einem eingeladenen Experten aus Forschung oder Praxis vertieft. Das Konzept eines Blended Open Course adaptiert also Open Education-Ansätze und überträgt das Konzept des Massive open online course auf ein universitäres Setting.

Kontext an der Universität Tübingen

Das Konzept wird im Wintersemester 2011/2012 im Rahmen eines Open Courses zum Thema “Workplace Learning” (#ocwl11) an der Universität Tübingen mit Studierenden im Diplomstudiengang Psychologie in Kooperation mit wissensdialoge.de erprobt und evaluiert. Zur Teilnahme an der Blended Learning Veranstaltung eingeladen sind alle, die sich für die Themen „Workplace Learning“ und „Wissensmanagement“ interessieren. Vor dem Hintergrund der Forschungstradition des „Computer-Supported Collaborative Learning“ stehen dabei kooperative, arbeitsplatzbezogene Lernszenarien im Zentrum des Kurses. Ziel ist psychologische Theorien und empirische Ergebnisse zu verknüpfen und daraus Antworten auf Fragen aus der Praxis zu finden. Der Kurs ist im Web unter ocwl11.wissensdialoge.de zu finden.

Konzept des #ocwl11

Der Kurs ist in 6 Einheiten zu je 14 Tagen eingeteilt. Zu Beginn einer Einheit wird das Thema in einem Blogbeitrag vorgestellt und eingeleitet. Es werden Leseempfehlungen und weiterführende Linktipps bereitgestellt. Während der Woche arbeiten sich die Teilnehmer selbstständig in das Thema ein, und bereiten sich auf die vorgeschlagenen Diskussionsfragen vor, teilen ihre eigenen Ideen über den Kursblog oder andere Werkzeug im Netz. Außerdem werden über Twitter Fragen, Anregungen und Linktipps zum Thema verteilt.

In der ersten Woche treffen sich die Offline-TeilnehmerInnen in einem Seminarraum und arbeiten gemeinsam mit dem Dozenten auf Basis wissenschaftlicher Primärtexte am Thema. Die Arbeitsergebnisse und diskutierte Themen werden in Form kurzer Reports den Online-TeilnehmerInnen zur Verfügung gestellt. In der zweiten Woche findet eine Online-Session statt, in der ein eingeladener Referent, oder eine eingeladene Referentin über die eigene Arbeit berichtet und mit den TeilnehmerInnen diskutiert. Die Online-Session findet in einem virtuellen Klassenzimmer statt und ist für alle TeilnehmerInnen offen. Die Session wird aufgezeichnet und steht danach im Netz zur Verfügung.

Rollen

Offline-TeilnehmerInnen: Eingeschriebene Studierende der Universität erhalten für die Teilnahme an dem Kurs und ggf. für weitere Leistungen Credits. Die Offline-TeilnehmerInnen nehmen an den regelmäßigen Offline-Sitzungen vor Ort teil und berichten über die Arbeitsergebnisse in kurzen Reports im Kursblog.
Online-TeilnehmerInnen: TeilnehmerInnen, die von außen an dem Kurs teilnehmen beteiligen sich während der Online-Phasen an der Diskussion im Netz, schreiben Beiträge und lernen mit. Außerdem nehmen die Online-TeilnehmerInnen an der Online-Session teil.
Referenten: Eingeladene ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis berichten in einem Online-Vortrag über die eigene Arbeit und stehen für eine anschließende Diskussion zur Verfügung.
Gastgeber: Eine Lehrbeauftrage, ein Lehrbeauftragter an der Universität übernimmt die inhaltliche Konzeption des Kurses. Er oder sie leitet und moderiert das Offline-Treffen und die Online-Session.
Paten: Interessierte Online-TeilnehmerInnen von außen übernehmen die Patenschaft für eine Einheit, antworten auf die Reports der Offline-Teilnehmer und begleiten den Lernprozess innerhalb einer Einheit.
Supporter: Ein oder mehrere Ansprechpartner für die technische Betreuung des Kursblogs und des virtuellen Klassenzimmers unterstützen die TeilnehmerInnen bei der Nutzung der Kursinfrastruktur.

Technische Infrastruktur

Zentrale Informationsschnittstelle des Blended Open Course ist ein Kursblog. Hier laufen alle Informationen zusammen, alle TeilnehmerInnen können im Blog Beiträge veröffentlichen, Inhalte aus anderen Blogs werden in den Kursblog integriert. Außerdem wird Twitter verwendet, um eine Kommunikation zwischen Offline- und Online-TeilnehmerInnen zu ermöglichen. Über den Microblogging-Dienst werden Leseempfehlungen, Fragen, Ideen und Praxisbeispiele ausgetauscht. Über einen wöchentlich Newsletter werden alle TeilnehmerInnen über Themen der Einheiten und die ReferentInnen der Online-Sessions informiert. Die Online-Sessions finden in einem virtuellen Klassenzimmer statt (Adobe Connect), in dem Anzeigen von Präsentationen und anderen Bildschirminhalten möglich ist, und eine Diskussion über Audio/Video sowie Chat möglich ist.

Fazit

Ein Blended Open Course ist eine Konzept um Lernen an der Hochschule mit der Praxis zu verknüpfen. Durch die Einbindung externer ReferentInnen, die Patinnen und Paten sowie die Online-TeilnehmerInnen wird das formale Lernen an der Universität zu einem transparenten und diskursiven Prozess. Studierende werden Teil eine Community of Practice, Lernen wird situiert, Inhalte werden aktualisiert an Anforderungen aus der Praxis. Damit wird zu einem ein Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis möglich, zum anderen ein Transfer von Praxiserfahrungen und Lebenswirklichkeit in das geschlossene System Hochschule. Durch die konsequente Nutzung frei verfügbarer Werkzeuge im Web 2.0 sowie die Einbindung von Sponsoren ist ein Blended Open Course eine für die Hochschule kostenneutrale Möglichkeit, innovative Lehr-Lernszenarien zu gestalten.

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3 Responses

  1. […] Weiterlesen … Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein, Fazit, Show-Down von Johannes Moskaliuk. Permanenter Link des Eintrags. […]

  2. […] und Siemens, die dem Edupunk deutlich näher stehen … abgesehen davon, dass mit opco11, ocwl11 und opco12 inzwischen auch deutschsprachige Experimente genannt werden […]

  3. […] des OPCO12 in Frankfurt einen Vortrag zum Thema gehalten, ein Buchkapitel geschrieben (Zusammenfassung hier) und arbeite gerade an der Auswertung des #ocwl11 mit der Methode der Netzwerkanalyse. Wer sich auf […]

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