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Follower zu verkaufen | Stück 0.2 Euro

27.Juli 2012  

Immer mal wieder erwischt es einen der Twitterati, die sich mal eben ein paar Twitter-Follower gekauft haben. Kürzlich war es die CDU,  jetzt ist es Mitt Romney, der amerikanische Präsidentschaftskandidat. Der Social-Media-Experte Zach Green meint, der Wahlkampfstab des republikanischen Politikers habe Twitter-Follower gekauft haben, um dadurch die Statistik zu manipulieren – 75.000 neue Freunde pro Tag.

Schnell finden sich die Experten und Kommentatoren, die hier den Skandal wittern: „Diese Praxis ist eine riesiger Skandal. Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, können sich solche Ausrutscher nicht leisten. Es kommt immer wieder vor, dass sich Politiker Follower kaufen, es ist aber keine akzeptierte moralische Praxis“, sagt Julian Ausserhofer, vom Internet-Forschungsteam an der Universität Wien.

Viel Wind um nichts, finde ich. Aus zwei Gründen:

1.) Die Menge der Follower ist völlig unerheblich. Das gilt für Twitter, ebenso wie für Facebook und Co. Es zählt, ob die Follower aktive Unterstützer sind, sich also Informationen, Ideen und Markenimage in die eigenen Netzwerke tragen. Meine zentrale Aussage ist: Markting und PR im Web 2.0 ist Dialog. Gekaufte Follower nützen also nichts, wenn Sie nicht echte Dialog-Partner werden. Und das ist bei den gekauften Follower ziemlich sicher nicht der Fall. Denn oft steht hinter dem Account gar keine Person. Bleibt die Frage, ob sich der Dialog manipulieren oder simulieren lässt? Das wäre dann ein Skandal.

2.) Wäre es ein Skandal, wenn sich die CDU 5000 Adressen von GeschäftsführerInnen aus KMUs in Bayern kauft, und dann einen Brief inkl. Wahlprospekt verschickt? Das passiert so oder so ähnlich ständig. Adressen lassen sich sogar sehr genau gefiltert kaufen, nach Alter, Wohnort, Kaufkraft, Einkommen und so weiter. Letztlich ist das Kaufen von Followern nichts anderes: Ich bezahle, das die User der Twitter-Accounts meine Tweets in Ihre Timeline haben. Und die nutzen Ihren Account vielleicht noch nicht mal selbst – ein Briefkasten, den keiner leert also.

Fazit: Echte Social Media-Experten sollten das Zählen von Followern als zentrale Messgröße von Erfolg ziemlich schnell über Bord werfen. Und dann ist das Kaufen von Followern nur noch unbedeutende Fussnote aus den Anfängen des Social Media Marketings.

Bild: Gage Skidmore [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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1 Response

  1. Michael sagt:

    Ich glaube nicht, dass solche Meßgrößen verschwinden werden, so manipulierbar sie auch sind.
    Der Vorteil ist einfach, dass sie leicht vermittelbar sind. Aussagekräftigere Messzahlen, die es ja durchaus gibt, sind meist komplex und nicht so leicht zu verstehen.
    Wenn von Ashton Kutcher berichtet wird, wird also immer seine absolute Anzahl Follower genannt, einfach weil die Zahl beeindruckend hoch ist und verstanden wird.

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