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Take This Lollipop: Aktion warnt vor Facebook-Risiken

20.Oktober 2011  

Die Kollegin Astrid Carolus von der Uni Würzburg, Nachwuchssprecherin der Fachgruppe Medienpsychologie (deren Mitglied ich ebenfalls bin) äußert sich lobend über die Kampagne Take This Lollipop, die vor dem unvorsichtigen Umgang mit Daten auf Facebook warnt.

Ich zitiere aus der Pressemeldung, die die Kampagene beschreibt.

„Die Kamera schwenkt durch den Gang eines heruntergekommenen Hauses. In einem schäbigen und verdreckten Zimmer sitzt ein hagerer Mann im befleckten Unterhemd vor dem Computer. Er loggt sich auf Facebook ein, und landet im Profil des Sehers. Die psychisch labil und aggressiv wirkende Person liest Statusupdates, scrollt sich durch die Freundesliste und klickt sich durch Fotos, die der Nutzer hochgeladen hat. Schließlich sucht er in Google Maps nach dem Wohnort steigt anschließend ins Auto, wo das Profilbild des Users auf einem Zettel am Armaturenbrett klebt. Am Ende hat sich der blaue Lollipop rot verfärbt und darunter läuft ein Countdown, mit der Botschaft, dass es einen der Facebook-Freunde des Betreffenden als nächstes erwischen wird. […]

Obwohl festzustellen ist, dass immer mehr Anwender sozialer Netzwerkseiten ihre Sicherheitseinstellungen verschärfen, finden sich immer noch User, die sich nur sehr wenige Gedanken zum Thema Datenschutz und Datensicherheit machen. Genau diese Gruppe könnte „Take This Lollipop“ ansprechen. „Junge Nutzer sind oft sehr medienkompetent und können mit Facebook besser umgehen als ihre Eltern“, schildert Carolus. „Allerdings denken sie Situationen auf Basis ihres Erfahrungshorizontes oft nicht zu Ende und sind sich deshalb der Risiken nicht bewusst.“ Diesem Umstand könnte die Aktion, die mittlerweile rund 150.000 „Likes“ auf dem weltgrößten Social Network verzeichnet, gut entgegenwirken. „Die Kombination aus Angst gepaart mit der verblüffenden Umsetzung, die den User im Video zum Teil der Handlung macht, schafft Aufmerksamkeit“, erklärt Carolus. „Nicht jeder, der dieses Video ansieht, wird sein Profil danach von allen heiklen Informationen bereinigen. Aber die Faszination führt dazu, dass man über die Problematik spricht.“

Keine Frage: Alles was das Thema „Sicherheit“ auf die Agenda setzt, ist begrüßenswert. Ich muss dem Lob der Kampagne aber in zwei zentralen Punkten widersprechen halte die Kampagne aber aus zwei Gründen für problematisch:

1.) Ein Werbekampagne, die den User mit „Connect with Facebook“ begrüßt, ohne das ich überhaupt irgendetwas von der Kampagne sehen kann, karrikiert sich selbst. Das erste was ich in sämtlichen Vorträgen und Workshops zum Thema Facebook und Co. sage ist: „Gebt nirgends mehr persönliche Daten bekannt, als unbedingt notwendig“. Und wenn auf einer Webseite nichts außer einem blauen Lolli und der Aufforderungen, Zugriff auf das Facebook-Profil zu erlauben zu lesen ist, dann ist mehr als Vorsicht angebracht – auch wenn das Anliegen der Kampagne lobenswert ist. Richtig gut wird die Kampagne erst, wenn sie irgendwann vor sich selber warnt.

2.) Angst ist der falsche Weg! Ich hatte vor einigen Tagen ein Gespräch mit einer 14-jährigen Facebook-Nutzerin, die Angst davor hat, weiter ein Facebook-Account zu nutzen, obwohl sie es erst vor einigen Wochen unbedingt wollte. Und – Ich hatte vor einigen Tagen ein Gespräch mit einer Studentin, die nicht an einem meiner Seminar teilnehmen möchte, weil man dazu ein Twitter-Account braucht. Um es schwarz-weiß zu formulieren: Kampagnen dieser Art vergrößeren die digitale Kluft zwischen Nutzern, die Angst davor haben, dass ein böser Mann ihnen einen blutroten Lolly schenkt und solchen, denen das egal wäre. Was wir brauchen sind mutige Facebook-Nutzer, die wissen was sie tun, statt sich vor Angst lieber nicht im Netz zu bewegen. Und die wirkliche Gefahr im Netz sind nicht fremde Männer mit roten Lollies, die einem einzelnen Menschen nachsteigen, sondern z.B.

  • hippe Life-Style-Firmen, die freundlich aussehen, aber immer raffinierter Daten aggregieren,
  • besten Freude, die Party-Fotos hochladen und dich damit blamieren
  • die neuen Kollegen, die mehr über Dich wissen, als du selber, obwohl Du erst nächste Woche mit deinem Job anfängst.

Fazit: Angst schüren hilft nichts, aber das Thema auf die Agenda nehmen vielleicht schon.

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